Reichhaltiges Menü in der "Kulturscheune" - Ohrenschmaus 10.09.2026
Wenn der Sommer endet, kommt der Seebronner Ohrenschmaus:
Eine Scheune – zwei Vorlesende – 60 Zuhörende – ein Menü für die Ohren mit mehreren Gängen
Am vergangenen Donnerstag war es wieder soweit. Man traf sich in der zur „Kulturscheune“ hergerichteten und dekorierten Scheune von Ludwig Wellhäuser.
Mit Gesang eröffnete der Seebronner Chor “Con Brio” die Veranstaltung.
Die drei stimmungsvollen Lieder bildeten einen super Auftakt und waren eine echte Vorfreude – sozusagen der Aperitiv dessen was folgen sollte.
Eveline Öhrlich machte den Anfang auf dem Lesesessel. Die gebürtige Seebronnerin war beruflich lange in den Vereinigten Staaten. Sie fand zurück in die Heimat und lebt in Remmingsheim. Um sie familiär in Seebronn zu verorten, wurde sie als „am Valentin-Hermann sei’ älteste Tochter“ begrüßt.
Evi Öhrlich bot als Vorspeise einen Blick zurück auf die Geschichte unseres Dorfes. Ausgangspunkt war die Schilderung Seebronns in der Beschreibung des Oberamts Rottenburg im Jahre 1828. Öhrlich thematisierte auch die Not des Landes in den Jahren 1816/1817 – der Vulkanausbruch des Tambora in Indonesien 1815 führte bei uns aufgrund der fast ein Jahr anhaltenden Aschewolke zu einer Hungersnot. Viele Familien, die man damals Auswanderer nannte, flüchteten aus Württemberg. In der Folge – sozusagen als Hauptspeise – zeichnete sie einfühlsam das beeindruckende Leben der Schiffs-Stewardess und Krankenschwester Violet Jessop (1887-1971) nach. Violet war selbst Kind irischer Auswanderer und überlebte drei schwere Schiffsunglücke, unter anderem den Untergang der Titanic. Sie arbeitete dennoch fast ihr ganzes Leben für die White Star Line auf allen Weltmeeren.
Nach der Pause nahm Günter Hahn auf dem Lesestuhl Platz. Auch er ist ein Seebronner Kind. Ihn hat es dann beruflich als Förster und später als Lehrer auf die Schwäbische Alb verschlagen. Er wohnt in Benzingen hält aber engen Kontakt zu seinem Heimatort Seebronn. Angesprochen und begrüßt wurde er als „am Maurer-Albert sei’ Günter“.
Von ihm gab es sogar verschiedene Nachspeisen. Es begann mit Passagen aus dem Buch Der Papalagi – Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea. Erich Scheurmann verfasste im Jahr 1920 die zivilisationskritischen Reden des erfundenen Südseehäuptlings im Stil eines Reiseberichts. Im Anschluss kamen Gedichte des Mundartdichters Roland Single aus Winterlingen zum Vortrag. Die Zuhörerinnen und Zuhörer quittierten diese mit Freude, Lachen und viel Applaus. Als letzten Text präsentierte Günter Hahn Passagen aus dem Roman Hinter der Zukunft von Thomas Eisinger. Der dystopische Roman handelt von einer Gesellschaft, in der der CO2-Verbrauch alles bestimmt. Ein Lebensbudget regelt die individuelle Lebenszeit. Hier blieb einem eher das Lachen im Halse stecken.
Wir danken herzlich Eveline Öhrlich und Günter Hahn für ihre Lesebeiträge. Die Auswahl war wie immer Sache der Vortragenden. Das Gelesene hat einen weiten, interessanten und unterhaltsamen Bogen sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch über verschiedene literarische Genres gespannt.
Ein herzliches Dankeschön an den Chor “Con Brio” für den schönen Auftritt – gerne mit Hinweis auf dessen Konzert im Oktober.
Für Überlassung von Stühlen, Technik und weiteren Utensilien auch ein Danke an den Musikverein Seebronn.