Das Schwesternhaus – Ursprung der Kindererziehung in Seebronn

Bereits im Jahre 1903 entstand in Seebronn die „organisierte“ Kinderbetreuung.

Der Anfang, zunächst in einem leerstehenden Bauernhaus, war im 3 Jahre später gebauten Schwesternhaus. Möglich wurde dies durch die (auch) für diesen Zweck nach Seebronn berufenen Barmherzigen Schwestern (Vinzentinerinnen) aus dem Kloster Untermarchtal.

Über einen Zeitraum von 66 Jahren wurden Seebronner Mädchen und Knaben in diesem Haus betreut. Die Arbeit der Schwestern wurde als „Wohltat“ und „segensreich“ für Seebronn bezeichnet.

Schwesternhaus (1906 – 2001), In der Breite

Das “Kendrschiale” oder kurz “Schiale” war Ursprung des Kindergartens in Seebronn und Betreuungsort für viele Kindergarten-Generationen.

schwesternhaus südseite
schwesterhaus bauzeichnung

Daten und Fakten

1903Der Ursprung - Kleinkinderschule in leerstehendem Bauernhaus

Barmherzige Schwestern aus Untermarchtal
25.08.1903Vertrag zwischen Pfarrgemeinde Seebronn und Kloster Untermarchtal
25.11.1903Schwester Libora / Schwester Servanda treffen in Seebronn ein
1906Bau des Schwesternhauses, In der Breite, Baukosten 16.000 Mark

Architekt Wachendorfer aus Rottenburg

Kleinkinderbetreuung unter eigenem Dach

Seebronn hatte sein „Kendrschiale“ oder kurz „Schiale“
1968Einteilung in 2 Kindergartengruppen
1969Die letzten „Vinzentinerinnen“ beenden ihre Arbeit in Seebronn

Schwester Ursia, Schwester Maria Coletta
2001Abbruch des Schwesternhauses

Geschichte / Entwicklung

Die Berufung der Schwestern aus Untermarchtal war von der bürgerlichen Gemeinde ausdrücklich gewünscht und unterstützt. So wurde beim Bau des Schwesternhauses mit Bauholz und beim laufenden Betrieb mit Brennholz geholfen. Das Baugrundstück war im Besitz der Pfarrgemeinde. Die Baukosten (16.000 Mark) wurden zu großen Teilen durch Spenden der Seebronner Bürgerschaft erbracht. Im Schwesternhaus hatten die Schwestern eine Wohnung und die Kleinkinderschule die notwendigen Räume. Das Haus beherbergte auch Räume zur Krankenpflege und für die Industrieschule zum Handarbeitsunterricht.

Nach dem Bau des Katholischen Kindergartens südlich des Schwesternhauses bot das Schwesternhaus noch eine gute Zeit Platz für eine Bücherei und für Veranstaltungen (Jugendarbeit, Vorträge, , Film-/Kinoabende, …).

Die Arbeit und das Wirken der Barmherzigen Schwestern war vertraglich mit der Pfarrgemeinde geregelt. „Jede Schwester erhält freie Wohnung, Mobiliar und Licht, bei Krankheit Arzt und Apotheke sowie im Jahr 250 Mark für Lebensunterhalt, Kleidung und sonstigen Bedürfnissen“ – so die damaligen Bedingungen der Seebronner Schwesternstation.

Das Schwesternhaus hatte eine schlechte Bausubstanz und wurde im Jahr 2001 abgebrochen, die eine Renovierung/Sanierung für die weitere Nutzung unwirtschaftlich war.

Kleinkinderpflege / Kindergarten – „s’Kendrschiale“

Das Kendrschiale (kurz: Schiale) bestand im Wesentlichen aus einem großen Raum im Erdgeschoss des Schwesterhauses. Die Mädchen und Knaben waren in der Regel zwischen 3 und 7 Jahre alt. Die Kinder durften ins Schiale geschickt werden, wenn sie „im Wesentlichen“ sauber waren – somit waren gelegentlich auch jüngere mit dabei.

Zeitweise wurden mehr als 70 Kinder in einem Raum von einer (Kinder-)Schwester betreut. Die Krankenschwester kam nach ihrer Arbeit und nach dem Besuchsdienst als Zweitkraft zur Kinderbetreuung hinzu.

Der Kindergarten war im Winter 7 Stunden, im Sommer 5 Stunden geöffnet. Die Kinder wurden nach der Stallarbeit zwischen 8:30 Uhr und 9:00 Uhr gebracht. Zur Mittagszeit ab 11:00 Uhr war man üblicherweise zu Hause, mittags gings dann wieder ins Schiale.

Der schönste Zeitvertreib war Spielen. Es gab Holzklötze, Bälle, Perlen, Knetmasse. Es wurde aber auch vorgelesen und gebastelt. Bei schönem Wetter war man im Garten. Hier gab es eine große Wippe, eine Reckstange, einen Sandkasten und ein Gartenhaus. Gerne bildete man auch einen Kreis und spielte einfach „Faulei“.

Die meisten Kinder gingen gern ins Schiale – obwohl es klare Regeln gab und es sehr geordnet und streng zuging. Bei unrühmlichem Verhalten gab es schon Maßregelungen und Strafen. Die Repressalien reichten von „gründlicher Ermahnung“ und „in die Ecke stellen“ bis hin zum „in den Keller sperren“, was eher selten vorkam und nur für großen Missetaten vorgesehen war.

Zum Kindergartenjahr gehörte auch Theaterspielen. Das einstudierte Stück wurde dann im Kindergarten oder bei Festen in der Öffentlichkeit aufgeführt. Kostüme dazu wurden von den Schwestern mit Hilfe der Mütter hergestellt.

Quellen: Festbuch zum 250jährigen Jubiläum der Pfarrkirche St. Jakobus, 2005, Befragung und Gespräche mit Zeitzeugen

Stimmen von Kindern / Zeitzeugen

Kindergartenkind Jahrgang 1949 / 1950

Der Tag begann mit einem Morgengebet, dann wurde gesungen, vorgelesen oder mit Papierresten gebastelt.

Kindergartenkind Jahrgang 1949 / 1950

Nachmittags ging es meistens in den großen Garten mit Schaukel, Sandkasten und Turnstangen.

Kindergartenkind Jahrgang 1940 / 1943

Im Sommer gab es Wasser aus einem großen Eimer, das mit 2 (!) Bechern an alle Kinder verteilt wurde. Das war nicht so toll, vor allem weil immer viele Bienen herumschwirrten.

Kindergartenkind Jahrgang 1958

Ich weiß nur noch, dass wir – also nur die Mädchen – im Sommer dauern Kamille für den Winter zopfeln mussten, nachmittagelang, das fand ich ziemlich blöd.

Kindergartenkind Jahrgang 1940/ 1943

Einmal im Jahr mussten die Kinder Holz auf die Bühne “schaffen” und “aufbeigen” (stapeln). Wenn der (natürlich unsauber aufgebeigte) Holzstapel dann über Nacht zusammenbrach, sagte Schwester Maria Coletta: “… jetzt ist ein Onkel in Amerika gestorben.”

Fotos und Anschauungsmaterial

Hier gibt es Fotos, Anschauungsmaterial, weitere Hinweise und ergänzende Infos!
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